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Jana Alles

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Warum „positiv denken“ deine Trigger nicht löst

Du hast es vielleicht versucht. Die Affirmationen am Badezimmerspiegel: „Ich bin eine ruhige, gelassene Mutter.“ Das positive Mindset: einfach nicht mehr so negativ denken, das Gute sehen, dankbar sein. Die motivierenden Sprüche, die dir morgens Kraft geben sollen. Und vielleicht hast du dabei dasselbe erlebt wie so viele: Es fühlt sich im ersten Moment gut an – und beim nächsten Wutausbruch ist von der ganzen schönen Positivität nichts mehr übrig.

Das ist frustrierend, besonders weil überall gepredigt wird, dass positives Denken der Schlüssel zu allem sei. Und schnell schleicht sich der nächste Selbstvorwurf ein: „Nicht mal das Positiv-Denken kriege ich hin. Ich bin wohl wirklich ein hoffnungsloser Fall.“

Ich möchte dich entlasten: Dass positives Denken deine Trigger nicht löst, liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass Affirmationen am falschen Ort ansetzen. Lass mich dir erklären, warum schöne Sätze deine tiefen Muster nicht erreichen – und was stattdessen wirklich wirkt.

Affirmationen sprechen den Kopf an – Trigger sitzen tiefer

Eine Affirmation ist ein bewusster, positiver Gedanke. Sie lebt in deinem rationalen, denkenden Verstand – in dem Teil von dir, der morgens vor dem Spiegel steht und sich vornimmt, heute gelassen zu sein. Das Problem: Deine Trigger leben nicht dort. Sie sitzen viel tiefer, im emotionalen, automatischen Teil deines Gehirns und in deinem Nervensystem.

Erinnere dich, was beim Getriggertwerden passiert: Dein vernünftiger Verstand, in dem die Affirmation wohnt, wird im Moment des Stresses regelrecht abgeschaltet. Das Überlebenssystem übernimmt, und das interessiert sich kein bisschen für deinen schönen Spiegel-Spruch. Es ist, als würdest du versuchen, einen tobenden Sturm mit einem freundlich beschrifteten Schild zu beruhigen: „Bitte ruhig bleiben.“ Der Sturm liest keine Schilder. Affirmationen erreichen die Ebene, auf der deine Trigger entstehen, schlicht nicht. Sie kleben an der Oberfläche, während die Wurzel unberührt tief darunter weiterwirkt.

Das Problem mit dem Überdecken

Es gibt noch einen tieferen Haken am reinen positiven Denken, und der ist wichtig: Wenn du ein negatives Gefühl oder einen schmerzhaften Glaubenssatz einfach mit einem positiven Spruch übertünchst, dann verschwindet das Negative nicht. Es wird nur überdeckt. Und Überdecktes wirkt im Verborgenen weiter, manchmal sogar stärker.

Sagst du dir „Ich bin eine ruhige Mutter“, während in dir tief verankert der alte Satz „Ich bin nicht gut genug“ sitzt, dann entsteht ein innerer Widerspruch. Ein Teil von dir glaubt der Affirmation nicht, und dieser Teil bekommt durch das Überdecken keine Aufmerksamkeit – seine Not wird sogar noch übergangen. Echtes positives Denken, das den Schmerz darunter ignoriert, kann so zu einer Art Selbstbetrug werden, der die eigentliche Wunde nur tiefer vergräbt. Manche nennen das „toxische Positivität“: die Pflicht, immer positiv zu sein, die keinen Raum mehr lässt für die echten, schwierigen Gefühle, die gehört werden wollen. Und gerade diese ungehörten Gefühle sind es, die dich später triggern.

Warum die Wurzel ein Gefühl ist, kein Gedanke

Der Kern liegt hier: Trigger und einschränkende Glaubenssätze sind nicht in erster Linie Gedanken. Sie sind mit Gefühlen und körperlichen Empfindungen verknüpft – mit altem Schmerz, mit Angst, mit Ohnmacht, die sich tief eingegraben haben. Und ein Gefühl lässt sich nicht durch einen Gedanken wegmachen.

Du kennst das aus dem Alltag: Wenn du Angst hast, hilft es selten, dir zu sagen „Hab keine Angst“. Die Angst sitzt tiefer als der Befehl. Genauso ist es mit deinen Triggern. Der Satz „Ich bin nicht gut genug“ ist nicht einfach ein falscher Gedanke, den du durch einen richtigen ersetzen könntest. Er ist verbunden mit dem realen Schmerz eines Kindes, das sich ungenügend fühlte. Dieser Schmerz will nicht überschrieben werden – er will gefühlt, verstanden und geheilt werden. Solange das nicht geschieht, kann der schönste positive Gedanke nichts ausrichten. Du kämpfst sonst auf der Ebene der Gedanken gegen ein Problem, das auf der Ebene der Gefühle sitzt. Diese beiden Ebenen erreichen einander nicht.

Was statt positivem Denken wirkt

Wenn Affirmationen die Wurzel nicht erreichen – was dann? Der Weg führt genau dorthin, wo der schöne Spruch nicht hinkommt: zum Gefühl darunter. Statt das Negative zu überdecken, geht es darum, es zuzulassen, zu verstehen und an seiner Wurzel zu heilen.

Das bedeutet, dem alten Schmerz Raum zu geben, statt ihn wegzulächeln. Es bedeutet, die wunde Stelle aufzusuchen – das Kind, das sich nicht genug fühlte, die Situation, in der die Angst entstand – und ihr das zu geben, was sie braucht: Aufmerksamkeit, Verständnis, Trost. Das ist anstrengender und unbequemer als ein positiver Spruch, keine Frage. Es fühlt sich erst mal nach dem Gegenteil von „positiv“ an. Aber es ist der einzige Weg, der die Wurzel erreicht. Und das Schöne ist: Wenn der alte Schmerz wirklich geheilt ist, brauchst du keine Affirmation mehr. Du musst dir nicht mehr einreden, ruhig zu sein – du bist es, weil da nichts mehr ist, das hochkocht. Die positive Wahrheit über dich ergibt sich dann von selbst, weil sie echt ist und nicht aufgesetzt.

Der Unterschied zwischen aufgesetzt und echt

Versteh mich nicht falsch: Eine grundsätzlich wohlwollende, hoffnungsvolle Haltung ist wertvoll, und es ist gut, freundlich mit sich selbst zu sprechen. Der Punkt ist nicht, dass positive Gedanken schlecht wären. Der Punkt ist die Reihenfolge. Ein positiver Gedanke, der auf geheiltem Boden wächst, ist echt und trägt. Ein positiver Gedanke, der einen ungeheilten Schmerz überdecken soll, ist aufgesetzt und bricht im Stress zusammen.

Stell dir den Unterschied vor: Die eine Mutter sagt sich „Ich bin gelassen“, während es in ihr brodelt – das ist Fassade, und ihr Kind spürt sie sofort. Die andere Mutter ist gelassen, weil sie ihre Trigger geheilt hat – das ist echt, und ihr Kind spürt auch das. Das Ziel ist nicht, besser darin zu werden, dir Gelassenheit einzureden. Das Ziel ist, wirklich gelassen zu werden, sodass du es dir gar nicht mehr einreden musst. Arbeite also nicht härter an den Sprüchen. Arbeite an dem, was unter ihnen liegt. Dann kommen die positiven Wahrheiten ganz von allein – und dann halten sie auch im größten Sturm.

Wie du mit deinen Gefühlen umgehst, statt sie zu überdecken

Vielleicht fragst du dich jetzt ganz praktisch: Wenn ich negative Gefühle nicht wegdenken soll – was mache ich dann mit ihnen? Die Antwort ist im Grunde einfach, auch wenn sie Übung braucht: Du lässt sie da sein. Du heißt sie nicht gut, du badest auch nicht endlos in ihnen, aber du erlaubst ihnen, dazusein, statt sie sofort mit einem positiven Spruch zu übertönen.

Das könnte so aussehen: Wenn der Satz „Ich bin nicht gut genug“ hochkommt, sagst du nicht reflexhaft „Doch, ich bin toll!“, sondern hältst kurz inne und sagst innerlich: „Da ist gerade dieses Gefühl, nicht zu genügen. Es ist alt, ich kenne es. Ich darf es fühlen, ohne dass es die Wahrheit über mich sein muss.“ Spürst du den Unterschied? Du überdeckst nichts, aber du identifizierst dich auch nicht vollständig mit dem Gefühl. Du gibst ihm Raum und Abstand zugleich. Das ist anspruchsvoller als eine Affirmation, aber es ist echt – und es heilt, während die Affirmation nur übertüncht. Mit der Zeit verlieren die alten Gefühle so ihre Wucht, weil sie endlich gesehen werden, statt immer wieder weggedrückt zu werden. Und genau das ist der Boden, auf dem echte, tragfähige Zuversicht wachsen kann.

Wenn du das Gefühl hast, dass schöne Sprüche bei dir verpuffen, und an die echte Wurzel deiner Trigger willst.

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